Wissenschaftler fordern die Einführung eines „Klimakennzeichens“ im Rahmen des europäischen Nutri-Score

Der einflussreiche wissenschaftliche Beirat WBAE hat die Bundesregierung aufgefordert, mehr für die Nachhaltigkeit zu tun, indem sie spezifische Kennzeichnungen für Produkte auf der Grundlage ihres CO₂-Fußabdrucks einführt.

Lebensmittel, die in europäischen Regalen verkauft werden, sollten sowohl hinsichtlich ihres Nährstoffgehalts als auch hinsichtlich der damit verbundenen Treibhausgasemissionen ordnungsgemäß gekennzeichnet werden, so der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und Verbraucherschutz (WBAE).

Die Ankündigung erfolgte wenige Tage, nachdem die Bundesregierung die Einführung des Nutri-Score-Kennzeichnungssystems gebilligt hatte. Der WBAE erklärte, dass die Kennzeichnungsvorschriften im Falle einer Verabschiedung für die Hersteller verbindlich sein sollten.

Die Förderung nachhaltigerer Ernährungsentscheidungen in der gesamten Gesellschaft erfordert einen fairen Rahmen, der die Bereitstellung fundierter und verständlicher Informationen umfasst. – Britta Renner, Mitautorin der WBAE-Studie

In der Zwischenzeit wird Nutri-Score ab kommenden November auf freiwilliger Basis von Herstellern und Händlern im Land übernommen.

Die WBAE hat Berlin nun aufgefordert, während der aktuellen deutschen EU-Ratspräsidentschaft die Messlatte höher zu legen und die verbindliche Einführung von Nutri-Score vorzuschlagen, wobei ein neues Konzept hinzugefügt werden soll: die Nachhaltigkeit der Produkte.

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In einer Pressemitteilung betonte die WBAE die Dringlichkeit einer „strategischen Neuausrichtung und nachhaltigen Stärkung des gesamten Bereichs der Lebensmittelpolitik, um die notwendige Transformation des Lebensmittelsystems zu erleichtern und ein faires Lebensmittel- und Ernährungsumfeld für alle zu schaffen“.

Nach Ansicht der Experten des Beirats legen die aktuellen politischen Maßnahmen „zu viel Gewicht auf die Eigenverantwortung der Verbraucher für nachhaltige Ernährungsentscheidungen“.

Achim Spiller, Agrarökonom und Mitverfasser des Berichts, schrieb: „Ein derart zurückhaltender politischer Ansatz sendet in einem komplexen Politikfeld, das stark von Lobbyaktivitäten beeinflusst wird, das falsche Signal. Was benötigt wird, ist eine gezielte Lebensmittel- und Ernährungspolitik, in der die Regierung eine prominentere Rolle einnimmt.“

Die WBAE argumentiert, dass dieser Prozess auf der Grundlage einiger Kernkonzepte entwickelt werden sollte: gezielte Ernährungsinformationen für junge Menschen, Steuern auf weniger nachhaltige Lebensmittel wie zuckerhaltige Getränke, die Förderung des ökologischen Landbaus und die Entwicklung neuer, verbindlicher Lebensmittelkennzeichnungen.

Die Kennzeichnungen, so die Experten, sollten nicht nur leicht verständliche Nährwertangaben bieten, sondern auch ein „Klimakennzeichen“ in Bezug auf den CO2-Fußabdruck der Produkte sowie ein „Tierschutzkennzeichen“ für tierische Erzeugnisse enthalten.

Darüber hinaus sollten Werbeanzeigen für ungesunde Lebensmittel, die sich an Kinder richten, eingeschränkt werden, und die Regierung sollte ein „digitales Ökosystem für einen nachhaltigeren Lebensmittelkonsum“ entwickeln, so die WBAE.

„Die Förderung nachhaltigerer Ernährungsentscheidungen in der gesamten Gesellschaft erfordert einen fairen Rahmen, der die Bereitstellung solider und verständlicher Informationen, einen einfachen Zugang zu gesunden Lebensmitteln, mehr Auswahlmöglichkeiten bei Lebensmitteln sowie preisliche Anreize umfasst, die nachhaltige Entscheidungen für den Verbraucher finanziell attraktiver machen“, sagte Britta Renner, Mitautorin der Studie.

Der WBAE-Bericht trug zur laufenden Debatte über die Lebensmittelkennzeichnung bei, die derzeit in der gesamten Europäischen Union geführt wird.

Im Rahmen der im Mai von der Europäischen Kommission angekündigten Strategie „Vom Erzeuger zum Verbraucher“ wird erwartet, dass die EU ein einheitliches, umfassendes System zur Lebensmittelkennzeichnung einführt.

Die Kommission erklärte im Juni letzten Jahres, dass nach einer umfassenden Konsultation und Bewertung der Auswirkungen der Lebensmittelkennzeichnung bis 2022 eine europaweite Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite der Verpackung eingeführt werden könnte.

Die Debatte, einschließlich der Auseinandersetzung über die Einführung des italienischen „Nutrinform“-Systems anstelle von „Nutri-Score“, hat die Nachhaltigkeitsaspekte der Lebensmittelproduktion und -verteilung bisher nicht vollständig berücksichtigt.