Europas Olivenölsektor steht trotz klimatischer und marktbedingter Herausforderungen vor einem Aufschwung

Der jüngste Agrarausblick der Europäischen Union prognostiziert eine Erholung der Olivenölproduktion, die durch höhere Erträge und die Modernisierung der Olivenhaine vorangetrieben wird, auch wenn Klimabelastungen und ein rückläufiger Verbrauch langfristige Herausforderungen darstellen.

Die Olivenbauern in ganz Europa stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Dennoch wird erwartet, dass der Sektor im Laufe des nächsten Jahrzehnts steigende Erträge erzielen und sich effektiver an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen wird.

Laut dem Agrarausblick der Europäischen Union für den Zeitraum 2025 bis 2035 wird sich der Olivenölsektor voraussichtlich von den jüngsten Produktionsrückgängen in mehreren Mitgliedstaaten erholen.

Da die gesamte Anbaufläche für Oliven voraussichtlich weitgehend stabil bleiben wird, wird die Erholung in erster Linie durch höhere Erträge und nicht durch eine Ausweitung der Anbaufläche angetrieben, was Produktivitätssteigerungen und die Modernisierung der Olivenhaine widerspiegelt.

Der Bericht prognostiziert, dass sich die Olivenölproduktion in Spanien bei durchschnittlich 1,8 Millionen Tonnen pro Jahr stabilisieren wird. In Portugal wird erwartet, dass die durchschnittliche Jahresproduktion 200.000 Tonnen erreichen wird.

In beiden Ländern werden traditionelle Olivenhaine nach wie vor überwiegend regenbewässert. Das Produktionswachstum konzentriert sich jedoch zunehmend auf bewässerte Systeme mit hoher und sehr hoher Pflanzdichte, deren Ertrag denjenigen traditioneller Obstgärten voraussichtlich zunehmend übertreffen wird.

Dem Bericht zufolge profitieren diese modernen Systeme von einer effizienteren Wasserbewirtschaftung, tragen zur Minderung von Klimastress bei und werden zu einem entscheidenden Faktor für die langfristige Produktionsstabilität.

In Italien, wo traditionelle Haine nach wie vor den größten Teil der Erzeugung ausmachen, wird aufgrund schrumpfender Anbauflächen und geringerer Produktivität ein Rückgang der Olivenölproduktion um etwa drei Prozent pro Jahr erwartet.

Auch für die Produktion in Griechenland werden Schwierigkeiten prognostiziert, da klimatische Belastungen und ungünstige Bedingungen für die Erhaltung der Anbaufläche den durchschnittlichen Ertrag voraussichtlich unter 180.000 Tonnen pro Jahr halten werden.

Zwar wird erwartet, dass sich die Erträge in vielen Regionen durch technologische Fortschritte, die Erneuerung von Obstplantagen und verbesserte agronomische Praktiken verbessern werden, doch dürften diese Zuwächse die strukturellen Einschränkungen in allen Anbaugebieten kaum vollständig ausgleichen.

Der Sektor ist weiterhin erheblichen langfristigen Risiken ausgesetzt. Der Klimawandel wird als die kritischste strukturelle Herausforderung identifiziert, die eng mit extremen Wetterereignissen, anhaltenden Dürren und zunehmender Wasserknappheit verbunden ist.

Der Bericht hebt zudem eine allmähliche Verbesserung der Umweltbedingungen hervor, wobei der Pestizideinsatz in Olivenhainen aufgrund verbesserter Praktiken und struktureller Veränderungen bis 2035 voraussichtlich um etwa sieben Prozent zurückgehen wird.

Der Schädlingsdruck bleibt ein ernstes Problem. Insbesondere die Ausbreitung von Xylella fastidiosa wird als eine der schwerwiegendsten Bedrohungen genannt, wobei ihre verheerenden Auswirkungen in Apulien die Erholung des Sektors weiterhin behindern.

Auf der Nachfrageseite warnt der Bericht, dass der Olivenölver­brauch in mehreren wichtigen Erzeuger­ländern rückläufig ist.

Obwohl Olivenöl nach wie vor weithin als gesundes Nahrungsfett gilt, haben die anhaltenden Preissteigerungen der letzten Jahre den Verbrauch gedämpft, insbesondere bei preisbewussten Verbrauchern.

Dieser Trend ist außerhalb des Mittelmeerraums am ausgeprägtesten, wo die Verbraucher zunehmend auf preisgünstigere Alternativen wie Sonnenblumenöl zurückgreifen.

In Spanien wird der Pro-Kopf-Verbrauch von Olivenöl bis 2035 voraussichtlich um etwa 0,6 Prozent pro Jahr zurückgehen, was auf veränderte Ernährungsgewohnheiten und demografische Veränderungen zurückzuführen ist.

Ähnliche Rückgänge werden in Italien, Griechenland und Frankreich erwartet, wobei die jährlichen Rückgänge auf 0,5 bis 1,3 Prozent geschätzt werden.

Portugal bildet eine Ausnahme, da die steigende inländische Produktion voraussichtlich die Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit verbessern und damit ein höheres Verbrauchsniveau begünstigen wird.

In den nicht produzierenden EU-Ländern dürfte das Gesundheitsprofil von Olivenöl die Nachfrage weiterhin ankurbeln, wobei der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bis 2035 voraussichtlich auf etwa 1,2 Kilogramm steigen wird.

Dem Bericht zufolge werden Spanien und Portugal ihre Position als weltweit führende Akteure im kommenden Jahrzehnt weiter ausbauen.

Spaniens Nettoexporte werden voraussichtlich um 5,1 Prozent steigen, gestützt durch modernisierte Produktionssysteme und einen rückläufigen Inlandsverbrauch. Portugals Nettoexporte werden voraussichtlich um 0,9 Prozent wachsen.

Für die meisten anderen EU-Mitgliedstaaten wird ein Anstieg der Netto-Olivenölimporte um durchschnittlich 4,1 Prozent pro Jahr prognostiziert, um die steigende Nachfrage zu decken.

In Italien, traditionell einer der weltweit größten Olivenölimporteure, dürften der Rückgang der inländischen Produktion und der geringere Verbrauch zu einem jährlichen Rückgang der Nettoimporte um 0,4 Prozent führen.

Insgesamt wird prog­no­s­tiert, dass die Europäische Union ihre globale Markt­posi­tion be­ha­l­ten und leicht aus­bau­en wird, wobei die Gesamt­ex­por­te von Olivenöl bis 2035 voraussichtlich um 6,1 Pro­zent steigen werden. Der Bericht betont, dass Produk­ti­di­fer­enzierung und effek­tives Mar­ke­ting von ent­schei­dender Be­deu­tung sein werden, um die Wettbewerbs­fähigkeit angesichts des sich verschärfenden globalen Wettbewerbs zu er­hal­ten.

Der Aus­blick unterst­reicht zudem den zuneh­menden Druck auf den Tafeloliven­sektor der EU, wo sich Klima­stress zu einer entscheidenden Her­aus­ford­erung ent­wickelt.

In der gesamten Union untergraben zunehmend unberechenbare Wetterbedingungen und chronische Wasserknappheit die Produktion, insbesondere in Spanien, wo ein wachsender Anteil der nicht bewässerten Olivenhaine wirtschaftlich untragbar wird.

Die Erzeug­ung von Tafeloliven in der EU wird in den kommenden Jahren voraussichtlich leicht zurückgehen, da die Anbaufläche weiter schrumpft, auch wenn Ertragssteigerungen in bewässerten Plantagen den Rückgang teilweise abfedern.

Während Spanien durch intensive Anbausysteme begrenzte Zuwächse erzielen könnte, wird für Griechenland, Italien und Frankreich ein allmählicher Rückgang der Erzeugungsmengen prognostiziert. Portugals Investitionen in ein effizientes Wassermanagement dürften dazu beitragen, die Produktion zu stabilisieren.

Auf der Ver­brauchs­seite wird der durchschnitt­liche Pro-Kopf-Ver­brauch von Tafeloliven in der EU bis 2035 voraussichtlich leicht von etwa 1,8 Kilogramm auf 2,0 Kilogramm steigen, wen­glich die nationalen Trends stark variieren.

In Spanien wird der Verbrauch voraussichtlich weiter sinken, während in Griechenland, Italien und Portugal ein Anstieg der Nachfrage prognostiziert wird. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Portugal soll etwa 0,6 Kilogramm erreichen, was das relativ schnellste Wachstum unter den großen Erzeugern darstellt.

Der Verbrauch in Frankreich dürfte sich nach dem starken Wachstum der letzten zehn Jahre stabilisieren, während für andere EU-Länder ein anhaltender Anstieg prognostiziert wird, der bis Mitte der 2030er Jahre etwa 1,1 Kilogramm pro Kopf erreichen dürfte.

Auch die Handelsströme dürften sich unterschiedlich entwickeln. Spanien und Portugal werden voraussichtlich Nettoexporteure von Tafeloliven bleiben, während Italien zwischen 2025 und 2035 einen Anstieg der Nettoimporte um rund 24 Prozent verzeichnen dürfte.

Für andere EU-Länder wird ein durchschnittliches jährliches Importwachstum von etwa 2,2 Prozent erwartet, vor dem Hintergrund eines sich verschärfenden Wettbewerbs durch Nicht-EU-Produzenten wie die Türkei, Ägypten, Marokko und Tunesien.

Die Autoren weisen darauf hin, dass der „Agricultural Outlook“ nicht als Prognose interpretiert werden sollte. Er wird jährlich veröffentlicht und skizziert mögliche Entwicklungen auf der Grundlage der aktuellen Politik, der Marktbedingungen und Modellannahmen. Er wird von der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit der Gemeinsamen Forschungsstelle erstellt und stützt sich zudem auf Analysen aus dem OECD-FAO-Agrarausblick.