Unter den Opfern in Aleppo: eine alte Olivenölseife
Die Seifenhersteller sind aus der zerfallenden Stadt geflohen, und das Schicksal der berühmten Olivenölseife aus Aleppo ist ungewiss.

82 Prozent Olivenöl, 12 Prozent Lorbeeröl und Soda. Die älteste Seife der Welt, die Seife aus Aleppo, besteht aus nur drei Zutaten. Das Produkt ist seit Jahrhunderten unverändert geblieben, jenseits der Mauern der historischen Zitadelle von Aleppo im Norden Syriens.
Da sie vollkommen natürlich ist und keine synthetischen oder anderen Zusatzstoffe enthält, wird die Seife aus Aleppo aus lokalem Olivenöl hergestellt und ist für ihre wohltuende Wirkung auf die Haut bekannt. Die Seife spendet Feuchtigkeit und eignet sich für alle Hauttypen, von trockener bis zu empfindlicher Haut, da sie die Talgproduktion reguliert. Sie wird sogar zur Haarpflege verwendet.
Syrische Seifenhersteller rund um Aleppo bestritten ihren Lebensunterhalt früher durch den lokalen Verkauf und in jüngerer Zeit auf internationalen Märkten. In den letzten rund 30 Jahren begannen in den Vereinigten Staaten, Europa und Japan viele Verbraucher, dieses kleine grüne Stück Seife mit arabischem Stempel und magischem Duft kennenzulernen und danach zu suchen. Doch in Wirklichkeit erfolgten die ersten Exporte dieser Seife bereits vor Jahrhunderten durch Kreuzritter, die aus der nordsyrischen Stadt kamen.
Viel Zeit ist vergangen, doch dieses Land ist nach wie vor ein Schlachtfeld. Die Unruhen zwischen Rebellen und Assads Truppen haben zur fast vollständigen Zerstörung der Stadt geführt. Tatsächlich könnte man 2012 als das letzte Jahr der Produktion des grünen Goldes aus Aleppo betrachten.

Die Seifenhersteller flohen aus der Stadt. Sie verließen ihre Werkstätten und ihre Häuser in Aleppo, als sie in den umliegenden Dörfern kein Lorbeeröl mehr finden konnten und um die Sicherheit ihrer Familien fürchteten.
Nun sind sie im Ausland, im Libanon, in Großbritannien, und produzieren und vermarkten weiterhin „Lorbeerseife“ weit entfernt von dem Ort, an dem die Tradition ihren Ursprung hat. Die Qualitätsstandards bleiben hoch, da das Know-how noch vorhanden ist, aber niemand kann mehr sagen: „Das ist eine Aleppo-Seife.“
Vor einigen Tagen berichteten Nachrichtenagenturen, dass der Anführer der Freien Syrischen Armee die Stadt verlassen habe und seine 14.000 Mann in die Türkei beordert worden seien. Heute stehen Aleppo und die Umgebung unter der Kontrolle radikaler Milizen. Eine Rückkehr der Seifenhersteller und ihrer Familien ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.
Bedroht durch massenproduzierte Konkurrenzprodukte und nun auch durch Radikale scheint die Zukunft der Aleppo-Seife ungewiss.