Monte Testaccio: Überreste eines alten Handels
Eines der eindrucksvollsten Zeugnisse des blühenden Olivenölhandels in der Antike ist der Monte Testaccio in Rom.
Es ist allgemein bekannt, dass die Vorliebe für Olivenöl nicht erst aus der modernen mediterranen Küche stammt, sondern bereits in der Ernährung der Menschen der Antike eine zentrale Rolle spielte. Seit Jahrhunderten säumen Olivenhaine die Villen und Bauernhöfe in den ländlichen Gebieten Griechenlands, Spaniens und Italiens – so wie sie es auch heute noch tun.
Eine der eindrucksvollsten Erinnerungen an den blühenden Olivenölhandel in der Antike ist der Monte Testaccio in Rom. Auf den ersten Blick mag er einfach wie ein Hügel aussehen, ähnlich wie die anderen sieben in Rom, die die Stadt umgeben. Doch wenn man durch die Tore an der Via Zabaglia tritt, wird schnell klar, dass dies kein gewöhnlicher Hügel ist; er ist vollständig von Menschenhand geschaffen aus den Überresten von schätzungsweise 53 Millionen zerschlagenen Olivenölamphoren.

Warum also befinden sich so viele Amphorenscherben an einem Ort? Zum einen liegt der Hügel am östlichen Ufer des Tiber in der Nähe der Horrea Galbae – einem riesigen Komplex staatlich kontrollierter Lagerhäuser für die öffentliche Getreideversorgung sowie für Wein, Lebensmittel und Baumaterialien. Wenn Schiffe aus dem Ausland mit Olivenölvorräten einliefen, wurde der Inhalt der Transportamphoren in kleinere Behälter umgefüllt und die gebrauchten Gefäße in der Nähe entsorgt.
Dafür gibt es einen Grund: Da der zur Herstellung der Amphoren verwendete Ton nicht glasiert war, konnten die Amphoren nach dem Transport von Olivenöl nicht wiederverwendet werden, da das Öl einen ranzigen Geruch im Ton hinterließ.

Die Scherben antiker Amphoren, aus denen der Monte Testaccio besteht
Wenn man die Rampa Heinrich Dressel hinaufsteigt, benannt nach einem verstorbenen deutschen Gelehrten, der sich intensiv mit Amphoren befasste, ist es erstaunlich, auf so viele Zeugnisse einer antiken Zivilisation zu treten. Von der Spitze des 36 Meter hohen Hügels hat man zudem einen großartigen Blick auf die Skyline von Rom.
Die Universität Barcelona untersucht derzeit den Hügel auf der Suche nach Amphorenstempeln oder „tituli piniti“, die Aufschluss über die genaue Herkunft einiger Gefäße und deren Inhalt geben könnten. Auch die Art des Tons, aus dem die Amphoren gefertigt wurden, kann Hinweise auf ihre Herkunft liefern. Die meisten Gefäße in diesem Hügel stammen aus dem 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. aus Baetica (Andalusien in Spanien) und Nordafrika.
Dies deutet auf ein aktives Handels- und Transportnetzwerk durch die Kolonien des Römischen Reiches sowie auf eine große Nachfrage nach Olivenöl in der Hauptstadt hin – über 6 Milliarden Liter Öl dürften in diesen Gefäßen transportiert worden sein, um den kulinarischen Bedarf dieser geschäftigen Stadt mit über einer Million Einwohnern zu decken.