Türkische Olivenbauern kritisieren Gesetzesentwurf, der den Bau von Energieanlagen auf Olivenhainen zulassen soll

Kritiker sagen, ein Gesetzesentwurf zur Förderung von Energie- und Bergbauprojekten würde sich nachteilig auf den wachsenden Oliven- und Olivenölsektor der Türkei auswirken.

Kleine Olivenbaubetriebe in der Türkei wie dieser könnten zu Projekten wie Kernkraftwerken umgewandelt werden, sollte ein entsprechender Gesetzentwurf verabschiedet werden.
Kleine Olivenbaubetriebe in der Türkei wie dieser könnten zu Projekten wie Kernkraftwerken umgewandelt werden, sollte ein entsprechender Gesetzentwurf verabschiedet werden.

Olivenproduzenten in der türkischen Provinz Muğla haben einen Gesetzentwurf im Parlament kritisiert, der Energie- und Bergbauaktivitäten auf Flächen zulassen soll, auf denen seit Hunderten von Jahren traditionelle Olivenhaine stehen.

Die Initiative hat nicht nur Bedenken hinsichtlich der Zukunft des türkischen Olivenölsektors ausgelöst, sondern auch hinsichtlich langfristiger Umweltschäden.

Durch die Aufhebung des offiziellen Status von Olivenfeldern mit einer Fläche von weniger als zweieinhalb Hektar würde der Gesetzentwurf den Weg für Energieprojekte wie ein Kernkraftwerk in Mersin und ein Wärmekraftwerk in Yatağan ebnen. Der Gesetzentwurf würde zudem die derzeitige Regelung aufheben, wonach Anlagen für erneuerbare Energien mindestens drei Kilometer von für den Olivenanbau ausgewiesenen Flächen entfernt errichtet werden müssen.

Viele Olivenproduzenten haben ihre Enttäuschung über das Landwirtschaftsministerium zum Ausdruck gebracht, das den Sektor in den letzten 12 Jahren bei seinen Expansionsbemühungen unterstützt hat.

„Keiner der Abgeordneten der Opposition hält diesen Gesetzentwurf für logisch. Es gibt sogar Abgeordnete der Regierungspartei, die ihn ablehnen, aber wir sehen diesmal keine Anzeichen dafür, dass die Regierung auf unsere Bedenken eingeht“, sagte Güngör Şarman, Vorsitzender der Tariş-Genossenschaft für Öl- und Olivenölverkauf, in der Zeitung Today’s Zaman.

Kritiker sagen, der Gesetzentwurf widerspreche den Plänen der türkischen Regierung zur Förderung der nationalen Olivenproduktion, deren Wert 2012–2013 bei 1,5 Milliarden US-Dollar lag. Seit 2000 ist die Zahl der Olivenbäume in der Türkei von 90 Millionen auf 170 Millionen gestiegen, und die Olivenexporte dürften bei der derzeitigen Entwicklung bis 2023 3,8 Milliarden US-Dollar erreichen – doch der vorgeschlagene Gesetzentwurf könnte all das ändern.

Die Türkei steht derzeit an vierter Stelle der Liste der weltweit führenden Oliven- und Olivenölproduzenten hinter Spanien, Italien und Griechenland und hat einen Anteil von 10 Prozent an der weltweiten Olivenproduktion und 6 Prozent an der Olivenölproduktion.