Geheimnisvolle afrikanische Insekten befallen portugiesische Olivenhaine
Die über einen Zeitraum von sechs Jahren in Portugal aufgetretenen unerklärlichen Schäden an Olivenbäumen wurden als Folge eines bisher in Europa unbekannten Insekts bestätigt.
Melanaspis corticosa, eine bislang kaum beschriebene Schildlaus, wurde als die Art identifiziert, die Olivenhaine in der Region Algarve im Süden Portugals befällt.
Bislang außerhalb Subsahara-Afrikas unbekannt, hat sich der neue Schädling als resistent gegen Insektizidbehandlungen erwiesen.
Erstmals wurde sie in den letzten Monaten des Jahres 2016 anhand der ungewöhnlichen Schildläuse an den Zweigen von Zierolivbäumen entdeckt; seitdem wurden aus der gesamten Algarve umfangreiche Schäden gemeldet, von privaten Gärten und Stadtbäumen bis hin zu landwirtschaftlichen Flächen und kommerziellen Olivenhainen.
Siehe auch: Forschung enthüllt, wie tödlicher Erreger Olivenbäume befälltDas verantwortliche Insekt blieb jedoch bis 2022 unidentifiziert, als Proben einer Kombination aus molekularen und morphologischen Analysen unterzogen wurden.
Diese Analysen bestätigten, dass es sich bei dem Schädling um Melanaspis corticosa handelt, eine Art, die erstmals 1919 in der Kapregion Südafrikas und später in Guinea, Mosambik und Simbabwe beschrieben wurde.
In seiner natürlichen Umgebung ist das Insekt polyphag und ernährt sich von einer Vielzahl von Wirtspflanzen, vom einheimischen afrikanischen Korallenbaum und Kap-Flieder bis hin zu eingeführten Arten wie dem Pfirsichbaum.
Aus noch ungeklärten Gründen scheint sich sein Vorkommen in Portugal ausschließlich auf den Olivenbaum zu beschränken.
Das Forschungsteam, das die genetische Sequenzierung durchführte, stellte fest, dass es nur eine vernachlässigbare Differenzierung zwischen den COI-Sequenzen (eine durch mitochondriale DNA kodierte Untereinheit) gab, was ihrer Ansicht nach darauf hindeutet, dass die Art bei der Anpassung an ihre neue Umgebung nur einem sehr geringen Selektionsdruck ausgesetzt war. Dies könnte bedeuten, dass der Organismus bereits gut an diese Umgebung angepasst ist.
Bei vielen der beobachteten betroffenen Olivenbäume wurden schwere Schäden festgestellt. Dazu gehörten das Absterben von Ästen, die Braunfärbung der Blätter und der Blattabwurf.
Bei den meisten der gesammelten Proben waren sowohl Äste als auch Triebe vollständig von einer Ansammlung von Individuen bedeckt, darunter erwachsene Weibchen und Nymphen. Dies entspricht Stufe 4 (der höchsten Stufe) des vorgeschlagenen Kosztarab-Klassifizierungssystems für den Befall durch Schildläuse: „allgemeiner oder schichtförmiger Befall (Schildläuse bedecken die befallenen Pflanzenteile vollständig).“
Obwohl der Schädling bislang nur in der südlichen Küstenregion gemeldet wurde, hat er eine Reihe von Lebensräumen an mindestens 15 verschiedenen Standorten befallen, von Vila do Bispo im äußersten Südwesten bis nach Cabanas de Tavira im Osten, etwa 15 Kilometer von der Grenze zu Spanien entfernt. Er wurde zudem in allen Jahreszeiten beobachtet.
Siehe auch: In Portugal breitet sich die Xylella-Infektion auf weitere Arten ausAufgrund der Unbekanntheit von Melanaspis corticosa lassen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder das potenzielle Ausmaß des Problems noch eine Bekämpfungsstrategie abschätzen. Es sind nur fünf natürliche Feinde bekannt, bei denen es sich ausschließlich um in Afrika heimische parasitäre Wespen handelt, über die fast ebenso wenig bekannt ist wie über den Schädling selbst.
Die internationale Organisation für Pflanzenschutz in Europa und im Mittelmeerraum (EPPO) stellt fest, dass Pflanzenschutzbehandlungen mit gegen Schildläuse an Olivenbäumen zugelassenen Insektiziden durchgeführt wurden, jedoch nur begrenzte Wirksamkeit zeigten.
Zusätzlich zu ihren Analysen erstellte das verantwortliche Team eine „DNA-Barcode-Sequenz“, um die zukünftige Identifizierung zu erleichtern. Außerdem wurden insgesamt 25 adulte weibliche Exemplare auf Objektträger fixiert, zusammen mit Mikroskopaufnahmen und detaillierten Angaben, die alle an die Universitäten von Catania und Padua in Italien geschickt wurden.
Da es sich bei diesem aktuellen Befall um den ersten seiner Art in Europa und sogar außerhalb Afrikas handelt, hoffen sie, dass diese Ressourcen die Grundlage für weitere Untersuchungen und die Entwicklung von Bekämpfungsmaßnahmen bilden werden.
Weltweit beherbergt der Olivenbaum etwa 100 Arten von Schildläusen, von denen etwa 43 Prozent im Mittelmeerraum vorkommen. Viele davon sind nicht heimische Arten, wie beispielsweise Saissetia oleae, von der ebenso wie von Melanaspis corticosa angenommen wird, dass sie in Südafrika beheimatet ist.
Saissetia oleae ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten globalen Olivenschädlinge und gibt insbesondere im Mittelmeerraum Anlass zur Sorge, wo er neben der Olivenfruchtfliege und dem Olivenmotte als einer der drei Hauptschädlinge der Olive gilt.