Polizei in Spanien und Italien deckt Betrugsring im Olivenölgeschäft auf

Eine Ermittlung von Europol führte zur Festnahme von elf Personen, denen vorgeworfen wird, natives Olivenöl extra mit anderen Produkten zu verfälschen.

Eine koordinierte Europol-Ermittlung unter Beteiligung der spanischen und italienischen Polizei führte zur Beschlagnahmung von 260.000 Litern gepanschtem Olivenöl und zur Festnahme von 11 Personen in der Nähe von Ciudad Real in Zentralspanien.

Den Ermittlern zufolge war es das Ziel der Festgenommenen, natives Olivenöl extra mit nicht-nativem und Lampante-Öl zu verdünnen, wodurch die illegale Operation ein chemisches Profil für ihr Produkt hätte erreichen können, das für den legalen Olivenölmarkt ausreichend gewesen wäre.

Lampante, die niedrigste Olivenölsorte, die ohne Raffination ungenießbar ist, wird im Durchschnitt für 6,37 € pro Liter verkauft, verglichen mit 7,45 € pro Liter für natives Olivenöl extra auf Spaniens Referenzmarkt in Jaén.

Siehe auch: Handelsverband kündigt Initiative zur Qualitätsprüfung von Olivenöl an

In einer Erklä­rung gab die Ermittlungs­be­hörde zudem die Sich­er­ung zahl­reicher Con­teiner, vier Fa­hr­zeu­ge, digi­taler Doku­mente, 91.000 € in bar sowie weiterer Sachbeweise, die auf einen internationalen Fälscherring hindeuten.

Im Rahmen der Ermittlungen wurden zudem drei Fabriken in der Toskana und auf Sizilien (Italien) identifiziert, von denen angenommen wird, dass sie direkt an dem illegalen Betrieb beteiligt sind.

Die Ermittler beschlagnahmten in den Büros dieser Unternehmen mehrere Dokumente und digitale Dateien und deckten Bemühungen auf, Olivenöl aus verschiedenen Quellen zu beschaffen. Eines der Unternehmen wurde vor Ort wegen illegaler Etikettierung von Olivenöl mit einer Geldstrafe belegt.

Auslöser der gesamten Aktion war eine Routinekontrolle des Ladungsinhalts eines Tanklastwagens unweit von Ciudad Real.

Den Ermittlern zufolge werden solche Maßnahmen zur Fälschungsbekämpfung immer häufiger durchgeführt.

Ihrer Ansicht nach haben die Rekord- und Beinahe-Rekordpreise für natives Olivenöl extra im vergangenen Jahr sowie der erhebliche Produktionsrückgang skrupellose Akteure dazu verleitet, zu versuchen, von der Situation zu profitieren.

Im vergangenen September leiteten spanische Behörden eine umfassende Untersuchung wegen des Diebstahls von nativem Olivenöl extra aus einer Ölmühle in Carcabuey, Córdoba, im Herzen Andalusiens, der weltweit wichtigsten Olivenöl-Anbauregion, ein.

Ähnliche Vorfälle ereigneten sich in den letzten Wochen in anderen wichtigen Anbaugebieten, wie beispielsweise Apulien in Italien. Strafverfolgungsbeamte stellten fest, dass organisierte Banden versuchen, von der reichlichen apulischen Ernte zu profitieren, indem sie in der Region Oliven und Olivenöl stehlen.

Im Jahr 2022 verhinderte die italienische Polizei, dass 2,3 Millionen Liter natives Olivenöl als natives Olivenöl extra verkauft wurden – eine der bedeutendsten Maßnahmen zur Fälschungsbekämpfung in der Branche.

Natives Olivenöl gilt zwar als qualitativ hochwertig, weist jedoch einen höheren Säuregehalt als „Extra Vergine“ auf und wird zu deutlich niedrigeren Preisen verkauft als „Extra Vergine“-Olivenöl.

Während im gesamten Olivenölsektor weiterhin routinemäßige Kontrollen und Ermittlungen stattfinden, bleiben die von den Behörden aufgedeckten Mengen an gefälschtem Olivenöl im Vergleich zu den Gesamtzahlen des Olivenölhandels sehr gering.

Ein von der New York Times zitierter Bericht der Food and Drug Administration aus dem Jahr 2015 zeigte, dass weniger als fünf Prozent von 88 in Supermärkten in den Vereinigten Staaten verkauften Olivenölen verfälscht waren.

Diese Ergebnisse waren beachtlich, wenn man bedenkt, dass die USA im Erntejahr 2022/23 360.000 Tonnen Olivenöl importierten.

Die von der spanischen und italienischen Polizei aufgedeckte Fälschungsaktion im Umfang von 260.000 Litern ist zwar hinsichtlich ihrer kriminellen Ziele und der Vorgehensweise von Bedeutung, im Vergleich zur gesamten Olivenölproduktion in Spanien und Italien jedoch nur eine vernachlässigbare Menge.

Im Erntejahr 2022/23, das durch geringe Erzeugungsmengen gekenn­zeichnet war, pro­duzierten Spanien und Italien etwas mehr als eine Mil­lion Tonnen, etwa eine Mil­liarde Liter, wovon der Großteil aus extra­vir­gin-Olivenölen bestand.