Bericht warnt vor Wirtschaftskriminalität und „Mafia 3.0“
Laut Behördenvertretern verändern sich die Bedrohungen für den Olivenölsektor, da Wirtschaftskriminalität immer mehr zunimmt.
Nach einjähriger gemeinsamer Arbeit von Eurispes, Coldiretti und der Beobachtungsstelle für Kriminalität in der Landwirtschaft und im Agrar- und Ernährungssektor ist die sechste Ausgabe eines Berichts über organisierte Kriminalität im Lebensmittelsektor erschienen.
Der Jahresbericht zielt darauf ab, Veränderungen und Trends im Agrar- und Lebensmittelsektor auf globaler Ebene vorherzusagen und einen Überblick über die Maßnahmen und Methoden zur Prävention und zum Schutz vor Betrug und anderen Täuschungsmanövern zu geben.
Diejenigen, die den kriminellen Sektor leiten, der sich mit der Agrar- und Lebensmittelkette überschneidet, haben die „Armeekleidung“ abgelegt und den „Anzug“ angezogen.“
Laut dem ehemaligen Staatsanwalt Gian Carlo Caselli, der den Vorsitz des wissenschaftlichen Ausschusses der Stiftung Osservatorio Agromafie innehat, und dem Präsidenten von Eurispes, Gian Maria Fara, ist das als Mafia 3.0 bekannte Phänomen eine der größten Herausforderungen für den Sektor.
„Diejenigen, die den kriminellen Sektor leiten, der sich mit der Agrar- und Lebensmittelkette überschneidet, haben die ‚Armeekleidung‘ abgelegt und den ‚Anzug‘ angezogen. Es ist ihnen gelungen, die Vorteile der Globalisierung, neuer Technologien, der Wirtschaft und der Finanzwelt zu entdecken und zu nutzen“, sagten die beiden.
Siehe auch: Betrug mit OlivenölVor dem Hintergrund modernerer und komplexerer Lieferketten seien kriminelle Organisationen zunehmend „mehr daran interessiert, kooperative Geschäfte aufzubauen, als sich gegenseitig zu bekämpfen“, so die Beamten.
Die intelligente Struktur der Mafia 3.0 befindet sich an der Schnittstelle verschiedener Dienstleistungen, die von unterschiedlichen Organisationen benötigt werden, und „nimmt deren finanzielle Ressourcen an, um diese durch scheinbar rechtmäßige Mittel zu verbessern und zu vermehren“.
Der Agrar- und Lebensmittelsektor ist daher ein leichtes Opfer für Beeinflussung und Unterwanderung. Dem Bericht zufolge verzeichnete die Mafia 3.0 einen Anstieg des Jahresumsatzes um 12,4 Prozent, wobei die Einnahmen auf 24,5 Milliarden Euro pro Jahr stiegen.
„Die Kontrolle über einen oder mehrere große Abnehmer auszuüben bedeutet, die Produktion und damit den Preis beeinflussen zu können, und der Besitz von Vertriebsketten oder Supermärkten ermöglicht es, den Erfolg eines Produkts zu bestimmen“, so Fara und Caselli.
Um diese Machenschaften im Agrar- und Lebensmittelsektor einzudämmen, empfahl der Bericht eine Aktualisierung der Rechtsvorschriften für den Agrar- und Lebensmittelsektor.
Allerdings haben die Kontrollen und Vorschriften für den Sektor in den letzten Jahren zugenommen. Offiziellen Statistiken zufolge ist Italien zum führenden Meldeland für verdächtige Aktivitäten im Rahmen des Schnellwarnsystems für Lebens- und Futtermittel geworden. Im vergangenen Jahr reichte das Land 551 Meldungen ein, was 14,4 Prozent der Gesamtzahl der an die Europäische Kommission übermittelten Meldungen entspricht.
Insgesamt hat die wachsende Nachfrage nach Transparenz und Qualität in der Produktionskette dazu geführt, dass Akteure des Agrar- und Lebensmittelsektors zunehmend freiwillige Zertifizierungssysteme in Betracht ziehen, zusätzlich zu den derzeit geltenden.
Dazu gehört die Blockchain-Technologie, mit der jede Phase der Lieferkette in Echtzeit überwacht werden kann.
Der Agromafia-Bericht zeigt auch, dass mit der technologischen Entwicklung neue Herausforderungen entstehen. So sind sich beispielsweise immer mehr Verbraucher der gesundheitlichen Vorteile bestimmter Lebensmittel, darunter Olivenöl, bewusst geworden. Infolgedessen hat eine Flut von Fake News und Fehlinformationen eingesetzt, um von diesem Trend zur gesunden Ernährung zu profitieren.
„Was passiert, wenn ein grundlegender Teil unseres Lebensstils stark von falschen Informationen beeinflusst wird, die im Internet und in den sozialen Medien kursieren und sich darauf auswirken, was wir auf den Tisch bringen und folglich auch darauf, wie wir uns um unsere Gesundheit kümmern“, fragten Fara und Caselli.
Die Meinungen einzelner Personen können in einem solchen Ausmaß beeinflusst werden, dass das Weltwirtschaftsforum Fake News in die Liste der globalen Risiken aufgenommen hat.
Der beste Weg, sich gegen Fake News zu wappnen, sei es, die Richtigkeit der Informationen stets zu überprüfen – mithilfe verschiedener Faktencheck-Websites sowie mit gesundem Menschenverstand und kritischem Denken, so der Bericht.