Studie bringt stark verarbeitete Lebensmittel mit Diabetes und der Sterblichkeitsrate in Verbindung
Neuen Forschungsergebnissen zufolge könnte der Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel das Risiko für Typ-2-Diabetes und vorzeitigen Tod erhöhen.
Jüngste Forschungsergebnisse bringen das Auftreten von Typ-2-Diabetes und steigende Sterblichkeitsraten mit dem Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel in Verbindung.
Einer Studie zufolge könnte die Kombination bestimmter Lebensmittelzusatzstoffe einen Nährboden für bisher unbekannte gesundheitliche Folgen bilden.
Zusatzstoff-Kombinationen sind in ultraverarbeteten Lebensmitteln weit verbreitet, da sie die Haltbarkeit verlängern und die Textur, den Geschmack und das Aussehen vieler verpackter Produkte bestimmen.
Siehe auch: GesundheitsnachrichtenDie Studie ist Teil einer breit angelegten, laufenden Untersuchung zu Gesundheit und Ernährung, die vom französischen Nationalen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung gefördert wird.
Die in PLOS Medicine veröffentlichte Studie untersuchte die Ernährungsgewohnheiten von mehr als 108.000 französischen Erwachsenen über einen Zeitraum von sieben Jahren.
Alle Teilnehmer gaben zu Beginn der Studie umfassende Auskünfte, unter anderem zu Lebensstil, Gesundheitszustand, Krankengeschichte und medizinischen Behandlungen, Ernährungsgewohnheiten, das Ausmaß der körperlichen Aktivität sowie grundlegende Informationen wie Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht, Raucherstatus, Anzahl der Kinder und Beruf.
Die Teilnehmer legten zu Studienanfang und alle sechs Monate umfängliche Ernährungsprotokolle vor, und die tägliche Nahrungsaufnahme an Nährstoffen, Energie, Lebensmitteln und Lebensmittelzusatzstoffen wurde berechnet.
Diese Aufzeichnungen sowie die Handelsnamen der industriellen Produkte ermöglichten es den Forschern, die von den Teilnehmern aufgenommenen Lebensmittelzusatzstoffe zu quantifizieren. Die Forscher erstellten eine Liste von 269 konsumierten Lebensmittelzusatzstoffen.
„Um eine verlässliche Schätzung der Exposition gegenüber Lebensmittelzusatzstoffen zu erhalten und uns auf diejenigen zu konzentrieren, die am ehesten erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben, wurden nur diejenigen in die Mixturmodellierung einbezogen, die von mindestens fünf Prozent der Kohorte verzehrt wurden“, schrieben die Wissenschaftler.
Diese Modellierung ermöglichte es den Forschern, fünf Mischungen von Lebensmittelzusatzstoffen zu identifizieren, die am häufigsten konsumiert wurden.
Zwei dieser Mischungen wurden mit einer höheren Inzidenz von Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht, unabhängig von der ernährungsphysiologischen Qualität der Gesamternährung der befragten Verbraucher.
„Die erste Mischung bestand vorwägs aus Emulsifiern, Konservenzuegen und einem Farbstoff, während die zweite Mischung durch Säuermittel, Säureregulatoren, Farbstoffe, künstliche Süßstoffe und Emulgatoren“, schrieben die Forscher.
Um das Auftreten von Typ-2-Diabetes genau zu bestimmen, verwendeten die Wissenschaftler Cox-Proportional-Hazards-Regressionsmodelle.
Dabei handelt es sich um statistische Werkzeuge, die in epidemiologischen Studien häufig verwendet werden, um den Zusammenhang zwischen der Exposition (wie Lebensmittelzusatzstoffen) und der Zeit bis zum Auftreten eines Ereignisses, wie beispielsweise der Inzidenz von Typ-2-Diabetes, zu analysieren.
Diese Modelle wurden um potenzielle soziodemografische, anthropometrische, lebensstil- und ernährungsbezogene Störfaktoren bereinigt.
Den Forschern zufolge deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Lebensmittelzusatzstoffe, die in verschiedenen Produkten enthalten sind und häufig gemeinsam konsumiert werden, einen Risikofaktor für Typ-2-Diabetes darstellen könnten.
Sie wiesen darauf hin, dass weitere Forschungsarbeiten erforderlich seien, um den relativen Einfluss einzelner Zusatzstoffe und deren Wechselwirkungen zu untersuchen.
Siehe auch: Low-Carb-Mittelmeerdiät hilft Diabetespatienten bei der Erreichung einer RemissionZu den Einschränkungen der Studie zählen mögliche Fehler bei der Expositions- und Ergebnismessung, und ein Kausalzusammenhang kann allein auf der Grundlage dieser Beobachtungsstudie nicht festgestellt werden.
Eine zweite Studie, die von Forschern in acht Ländern mit unterschiedlichen Einkommensniveaus durchgeführt wurde, deutete darauf hin, dass der Verzehr ultra-verarbeiteter Lebensmittel weltweit in unterschiedlichem Ausmaß zu vorzeitiger Sterblichkeit führen könnte.
Die im American Journal of Preventive Medicine veröffentlichte Studie hatte zum Ziel, den Zusammenhang zwischen dem Verzehr ultra-verarbeiteter Lebensmittel und der Gesamtmortalität abzuschätzen und den Anteil der vorzeitigen Todesfälle zu quantifizieren, die auf ultra-verarbeitete Lebensmittelin diesen Ländern bei einer Bevölkerung im Alter zwischen 30 und 69 Jahren zuzuschreiben sind.
Die Forscher führten eine Dosis-Wirkungs-Metaanalyse durch, wobei sie Daten aus sieben prospektiven Kohortenstudien mit 239.982 Teilnehmern und 14.779 Todesfällen verwendeten.
Diese Art der Metaanalyse berücksichtigt bestehende Studien, um festzustellen, wie Veränderungen in der Menge (Dosis) einer Exposition (wie z. B. eines Lebensmittels, Nährstoffs, Medikaments oder Verhaltens) mit Veränderungen im Risiko oder der Auswirkung eines Ergebnisses (wie z. B. Krankheit, Tod oder Genesung) zusammenhängen.
Unter Verwendung eines Random-Effects-Modells berechneten die Autoren das gepoolte relative Risiko der Gesamtmortalität für jeden zehnprozentigen Anstieg der täglichen Energiezufuhr aus ultra-verarbeiteten Lebensmitteln.
Den Modellen zufolge ermöglichte diese Methodik den Forschern, Abweichungen zwischen den Studien zu berücksichtigen.
Anschließend schätzten sie anhand von Daten zur Nahrungsaufnahme aus nationalen Ernährungserhebungen und Mortalitätsdaten aus der Global Burden of Disease Study den bevölkerungsbezogenen Anteil vorzeitiger Todesfälle, die auf den Konsum ultra-verarbeiteter Lebensmittel zurückzuführen sind, in Kolumbien, Brasilien, Chile, Mexiko, Australien, Kanada, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten.
Die Global Burden of Disease Study ist eine große internationale Forschungsinitiative, die die Auswirkungen von Krankheiten, Verletzungen und Risikofaktoren auf die Gesundheit der Bevölkerung weltweit misst und vergleicht.
Die Meta-Analyse ergab einen linearen Zusammenhang: Jeder Anstieg des Konsums ultra-verarbeiteter Lebensmittel um zehn Prozent war mit einem Anstieg des Risikos für die Gesamtmortalität um 2,7 Prozent verbunden.
Der Verzehr ultra-verarbeiteter Lebensmittel variierte stark, von 15 Prozent der individuellen Energiezufuhr in Kolumbien bis zu 54,5 Prozent in den USA.
Die Auswirkungen vorzeitiger Todesfälle im Zusammenhang mit dem Verzehr ultraverarbeiteter Lebensmittel variierten erheblich zwischen den Ländern, von 3,9 Prozent in Kolumbien bis zu fast 14 Prozent im Vereinigten Königreich und in den USA.
Die Studie weist jedoch Einschränkungen auf, wie zum Beispiel eine geringe Anzahl von Kohortenstudien, die auf gemeinsamen Kriterien basieren, sowie Störfaktoren, die in den betrachteten Beobachtungsstudien auftreten könnten.
Zudem berücksichtigt sie nicht die zeitliche Verzögerung zwischen Ernährungsumstellungen und den Mortalitätsergebnissen.
Dennoch stimmen die Ergebnisse laut den Autoren mit den wachsenden Belegen überein, die ultraverarbeitete Lebensmittel mit zahlreichen negativen gesundheitlichen Folgen in Verbindung bringen, was die Dringlichkeit unterstreicht, ihre Rolle bei ernährungsbedingten Erkrankungen anzugehen.