Unter Verweis auf steigende Preise und geringe Gewinnspannen verbietet die Türkei den Export von Olivenöl in Großmengen

Das Handelsministerium will die Exporte von abgefülltem Olivenöl aus dem Land fördern und gleichzeitig weitere Preissteigerungen für die Verbraucher im Inland begrenzen.

Die türkischen Behörden haben den Export von Olivenöl in Großmengen bis zum 1. November untersagt und begründen dies mit steigenden Inlandspreisen.

Die Kombination aus der rekordverdächtigen Olivenölproduktion des Landes im Erntejahr 2022/23 und den schlechten Ernten in Südeuropa und Nordafrika hat zu einem sprunghaften Anstieg der weltweiten Olivenölpreise und einer erhöhten Nachfrage nach türkischem Olivenöl geführt.

Nach Angaben des Handelsministeriums des Landes stiegen die türkischen Olivenölexporte von November 2022 bis Juli 2023 im Vergleich zum gleichen Zeitraum der vorangegangenen Saison mengenmäßig um 240 Prozent und erreichten 136.500 Tonnen.

Siehe auch: Wachsende Sorge wegen Olivenölknappheit in Spanien

Im gleichen Zeitraum stiegen die Exporte von höherwertigen verpackten Produkten um 3 Prozent, während sich die Exporte von Olivenöl in Großgebinden verfünffachten. Infolgedessen stieg der Anteil der Olivenölexporte in Großgebinden von 42 Prozent der Gesamtexporte auf 83 Prozent.

Das Ministerium führte den rasanten Anstieg der Exporte in Großgebinden auf die gestiegene Nachfrage von Abfüllern in Spanien und Italien zurück, die von November 2022 bis Juli 2023 im Vergleich zum gleichen Zeitraum der vorangegangenen Saison 21- bzw. 44-mal mehr Olivenöl in Großgebinden kauften.

Nach Angaben des Internationalen Olivenölrats werden die Olivenölexporte der Türkei im laufenden Erntejahr, das von Oktober 2022 bis September 2023 läuft, voraussichtlich einen Rekordwert von 134.000 Tonnen erreichen.

Das Ministerium führte jedoch auch die hohen Zölle an, die die Europäische Union auf einzeln verpackte Importe erhebt, um den deutlich geringeren Anstieg der Nachfrage zu erklären, und nannte diese Handelsbeschränkungen als Grund für das Verbot von Massenexporten.

Der de­ut­liche An­stieg der Mass­en­ex­porte in Ver­bindung mit den niedrigen Ernte­er­war­te­ungen für das Ernte­jahr 2023/24 hat au­ch zu dem 102-pro­zentigen An­stieg der Olivenöl­preise in der Türkei von Juni 2022 bis Juni 2023 bei­getragen.

Im gleichen Zeitraum stiegen die Preise in Spanien, Italien und Griechenland um 84 Prozent, 58 Prozent bzw. 72 Prozent.

Neben seiner Besorgnis über die europäischen Beschränkungen für einzeln verpackte Exporte nannte das Ministerium steigende Inlandspreise als weiteren Grund für das Verbot von Bulk-Exporten.

Das Exportverbot für Olivenöl in Großgebinden ist das dritte innerhalb von ebenso vielen Jahren. Im April 2021 verhängte das Handelsministerium des Landes ein fünfmonatiges Verbot für den Export von Olivenöl in Großgebinden und begründete dies mit der Unsicherheit aufgrund der sich ausbreitenden Covid-19-Pandemie.

Fast genau ein Jahr später, im April 2022, beschloss das Ministerium, den Export von Olivenöl in Großmengen zu verbieten, da man sich Sorgen über Versorgungsengpässe im Land und eine rasant steigende Inflation machte. Das Verbot blieb bis zum Jahresende in Kraft.

Das diesjährige Exportverbot scheint im Einklang mit der übergeordneten Exportstrategie des Landes zu stehen, die darauf abzielt, das Verhältnis von Exporten zu Importen um 80 Prozent zu erhöhen, indem man sich von minderwertigen Massenexporten hin zu hochwertigeren, wertschöpfungsintensiven Exporten in einer Reihe von Sektoren verlagert: von Technologie bis hin zu Agrarprodukten.

Wir arbeiten mit aller Kraft daran, das Exportziel von 265 Milliarden US-Dollar für 2023 zu erreichen“, sagte Mustafa Gültepe, Präsident der Türkischen Exporteurversammlung.