Fettleibigkeit bei Kindern nimmt in Spanien zu, während die Einhaltung der Mittelmeerdiät abnimmt
Ein Bericht von Save the Children beleuchtet die Krise der Fettleibigkeit bei Kindern in Spanien und den raschen Rückgang der mediterranen Ernährung. Die Hilfsorganisation fordert dringende Maßnahmen seitens der Regierung.
Die internationale Nichtregierungsorganisation „Save the Children“ hat eine eindringliche Warnung hinsichtlich der Zukunft der mediterranen Ernährung und Lebensweise ausgesprochen und dabei sozioökonomische Ungleichheit sowie die Covid-19-Pandemie als wesentliche Faktoren für deren Rückgang genannt.
„Die Mittelmeerländer haben sich von einer der gesündesten Ernährungsweisen der Welt zu einer entwickelt, in der Süßigkeiten, Fast Food und zuckerhaltige Getränke Obst, Gemüse, Olivenöl und Fisch verdrängt haben“, heißt es in einem 64-seitigen Bericht, der letzten Monat veröffentlicht wurde.
Die Autoren des Berichts berechneten, dass Spanien mittlerweile eine der höchsten Adipositasraten bei Kindern in Europa aufweist, übertroffen nur von Zypern, wobei fast 20 Prozent der Sieben- bis Achtjährigen klinisch adipös sind. Dies liegt deutlich über dem europäischen Durchschnitt von etwa 12,5 Prozent.
Siehe auch: Neues Gesetz in Sizilien schützt und fördert die mediterrane ErnährungAls wesentlichen Teil ihrer Forschung führte die Organisation eine neue Umfrage nach den Kriterien der Nationalen Gesundheitserhebung Spaniens (ENSE) 2017 durch, um das Ausmaß der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie in diesem Bereich zu ermitteln.
Die Analyse der Ergebnisse zeigte, dass vor der Pandemie der Anteil an Übergewicht bei spanischen Kindern langsam zurückgegangen war, ähnlich wie in anderen Mittelmeerländern wie Griechenland und Portugal.
Die Pandemie jedoch, mit den damit einhergehenden Bewegungsbeschränkungen in Verbindung mit der Schließung von Schulen und Sportstätten, führte zu einer Umkehr dieses positiven Trends: Bis September 2021 stieg der Anteil an Übergewicht bei den unter 18-Jährigen um 0,9 Prozent.
Die Autoren warnten, dass dieser Anstieg sogar noch unterschätzt sein könnte, da die Pandemie-Beschränkungen auch zu einem dramatischen Rückgang der routinemäßigen Kinderarztbesuche führten, bei denen detailliertere und genauere Informationen erfasst werden.
Zwar hat die Pandemie eindeutig Auswirkungen auf die Aktivität, die Ernährung und die Finanzen der Bevölkerung insgesamt gehabt, doch macht sie nur einen kleinen Teil des Problems aus.
Der Lebensstil und die Ernährungsgewohnheiten in den olivenanbauenden Regionen des Mittelmeerraums haben in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Einführung von Fast Food, den Verzehr großer Mengen an rotem Fleisch und andere schädliche Gewohnheiten enormen Veränderungen unterzogen.
In den letzten Jahren hat sich dieser Trend beschleunigt. So sank beispielsweise der durchschnittliche Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten in Spanien zwischen 2000 und 2019 um etwa 30 Prozent. Auch die wachsende Beliebtheit von kohlensäurehaltigen Getränken hat das Ernährungsprofil der Bevölkerung verändert.
Laut der ANIBES-Studie von 2019 betrug der durchschnittliche Energieverbrauch der spanischen Bevölkerung 1.810 Kilokalorien pro Tag, wovon 12 Prozent durch Getränke gedeckt wurden.
Andere Bevölkerungsgruppen aus Frankreich und Italien wiesen jedoch einen geringeren Anteil an Energie aus Getränken auf (8 Prozent bzw. 6 Prozent). Zudem hat bei Erwachsenen eine deutliche Verlagerung hin zu einem höheren Bierkonsum anstelle des traditionelleren Rotweins stattgefunden.
Siehe auch: GesundheitsnachrichtenCatalina Perazzo, Direktorin für soziale und politische Interessenvertretung bei Save the Children, sagte, dass „Kinder in Schweden [derzeit] in Europa am ehesten eine mediterrane Ernährung zu sich nehmen“.
Dieses Phänomen ist zwar weit verbreitet, tritt jedoch besonders häufig in Haushalten mit geringerem Einkommen auf. Die ENSE-Daten von 2017 zeigten, dass Kinder von ungelernten Arbeitern dreimal häufiger an Fettleibigkeit litten als Kinder von Eltern in Führungspositionen.
Dieser aktuelle Bericht lieferte tiefere Einblicke in die Ursachen dieser Ungleichheit, indem er die Qualität der Ernährung, körperliche Aktivität, Schlaf und Bildschirmzeit analysierte.
Die Forscher stellten fest, dass der sozioökonomische Status in all diesen Bereichen der wichtigste Faktor ist, insbesondere in Bezug auf körperliche Aktivität.
Mehr als 71 Prozent der Haushalte mit hohem Einkommen gaben an, regelmäßig körperlich aktiv zu sein oder Sport zu treiben, verglichen mit 41 Prozent der Haushalte mit niedrigem Einkommen.
Umgekehrt verbrachten 46 Prozent der Kinder in Haushalten mit niedrigem Einkommen mehr als fünf Stunden pro Tag vor einem Bildschirm, während die Daten für Haushalte mit hohem Einkommen zeigten, dass fast 80 Prozent der Kinder weniger als eine Stunde pro Tag auf diese Weise verbrachten.
Ein ähnlicher Zusammenhang zeigte sich bei den Ernährungsgewohnheiten: 18 Prozent der Kinder aus Haushalten mit niedrigem Einkommen konsumierten täglich Süßigkeiten, 5 Prozent täglich kohlensäurehaltige Getränke und 2 Prozent täglich Fast Food.
Die entsprechenden Zahlen für Haushalte mit hohem Einkommen lagen bei 10 Prozent, 0 Prozent bzw. 0 Prozent.
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass „in Haushalten mit geringerem Einkommen die Möglichkeiten, Zugang zu den für eine ausgewogene Ernährung notwendigen Lebensmitteln zu erhalten [und] außerschulische oder aktive Freizeitaktivitäten zu finanzieren“, eingeschränkt sind.
Daher sei dringendes staatliches Handeln auf nationaler und regionaler Ebene erforderlich, um diese Trends umzukehren und die Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern im ganzen Land zu sichern.