Australische Produzenten erleben ein durchwachsenes Jahr
Die Olivenbauern konnten insgesamt eine reichhaltige Ernte verzeichnen, doch lag ihre Ölausbeute unter dem Durchschnitt.
Erzeuger in ganz Australien berichten von gemischten Ergebnissen bei der Ernte 2023: Während einige Landwirte eine reichhaltige Ernte verzeichnen konnten, haben andere überhaupt nichts geerntet.
Vor der Ernte waren einige Erzeuger und Behördenvertreter zuversichtlich, dass Australien eine Rekordernte verzeichnen würde. Kühles Wetter und Personalprobleme führten jedoch bei einigen zu einem geringeren Ertrag als erwartet.
Die Qualität war in diesem Jahr ausgezeichnet, was durch die großen Erträge und die langsame Reifung begünstigt wurde. Die Reifung verlief in diesem Jahr langsam; entsprechend fand die Ernte später als üblich statt. Dies machte es einfacher, Pilzbefall vorzubeugen.
„Der Öl-Ertrag ist aufgrund der kühleren Wachstumsbedingungen definitiv unterdurchschnittlich, aber die Qualität des Öls bleibt hoch, da die Früchte langsam gereift sind“, sagte David Valmorbida, Präsident der Australian Olive Oil Association (AOOA).
Obwohl die australische Olivenernte nicht offiziell erfasst wird, schätzt die AOOA den Ertrag auf 18 bis 19 Millionen Liter Öl, gewonnen aus 10.000 bis 20.000 Tonnen Früchten.
Siehe auch: Ernte-Updates 2023Dies ist ein Anstieg gegenüber dem geschätzten Ertrag des Vorjahres von 14 bis 15 Millionen Litern, liegt jedoch bei weitem nicht an die Rekordernte von 2021 heran, die 20 bis 22 Millionen Liter betrug.
Neben dem kühlen Wetter bereitete auch der anhaltende Arbeitskräftemangel in der australischen Landwirtschaft einigen Kleinbauern Probleme.
„In einigen Gebieten gab es ein großes Problem, da Vertragsernter und Vertragsverarbeiter einfach nicht verfügbar waren oder ihre Dienste nicht anboden“, erklärte Michael Southan, Geschäftsführer der Australian Olive Association, gegenüber Olive Oil Times.
„Dies führte zu Problemen für viele Kleinbauern, von denen einige infolgedessen keine Ernte einbrachten“, fügte er hinzu.
Dennoch bezeichnete Southan die Olivenernte insgesamt als gut. „Der Fruchtertrag war in diesem Jahr gut, aber der Ölertrag lag aufgrund des kühlen Wetters während der Fruchtentwicklung in den östlichen Bundesstaaten unter dem Durchschnitt“, sagte er.
Unterdessen berichtete John Symington, der Eigentümer des in Victoria ansässigen Unternehmens Oasis Olives, von positiven Ernteergebnissen sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Quantität seiner Oliven, jedoch von einem Rückgang der Ölausbeute.

Der in Victoria ansässige Produzent sagte, die Qualität sei ausgezeichnet gewesen, aber die Ölausbeute sei gesunken. (Foto: Oasis Olives)
„Die Qualität war dieses Jahr ausgezeichnet, was durch die großen Erträge und die langsame Reifung begünstigt wurde“, sagte er. „Die Reifung verlief dieses Jahr langsam; dementsprechend fand die Ernte später als üblich statt. Dadurch war es einfacher, Pilzbefall vorzubeugen.“
„Unsere Ernte verlief planmäßig und lag deutlich über dem Vorjahresniveau, was zum großen Teil darauf zurückzuführen ist, dass die Neuanpflanzungen nun ihren Beitrag leisten“, fügte Symington hinzu. „Die Preise sind in Australien nicht so stark gestiegen wie in Europa, aber wir gehen davon aus, dass sie weiter steigen werden.“
Im Vorfeld der diesjährigen Ernte äußerte Symington Bedenken hinsichtlich Pilzbefall, doch Oasis Olives konnte das potenzielle Problem umgehen.
„Wir sind den möglichen Pilzproblemen begegnet, indem wir die anfälligen Sorten früh geerntet haben, und das hat für uns funktioniert, da wir die Früchte ernten und verarbeiten konnten, bevor die Ölqualität erheblich beeinträchtigt wurde“, sagte er.
„Aufgrund der Änderung des Ernteplans fielen unsere Ölerträge jedoch geringer aus, als sie es sonst gewesen wären, insbesondere bei der Sorte Picual“, fügte Symington hinzu.
„Die meisten unserer Verarbeitungskunden äußerten sich ähnlich über die Verspätung der Ernte“, fuhr er fort. „Ein weiteres Problem war der starke Regen im Juni. Gegen Ende des Monats war es in vielen Olivenhainen, einschließlich unseres, schwierig, die Erntemaschinen durch den Hain zu manövrieren, ohne dass sie stecken blieben.“
Ein weiterer Produzent, Stephen Tham, Mitinhaber des Cape Schanck Olive Estate auf der Mornington-Halbinsel, sagte, man habe wegen der kalten, bewölkten Tage vor der Ernte zwei Wochen später als üblich mit der Ernte begonnen.

Olivenernte auf der einzigartigen Mornington-Halbinsel im Süden Australiens (Foto: Stephen Tham)
Er sagte, die vorhergesagte Gefahr eines trockenen und wärmeren El-Niño-Winters habe sich nicht bewahrheitet. „Heiße Getränke und herzhafte Fleischpasteten hielten uns bei Laune“, witzelte Tham.
„Es gab keinen Herbstwetterübergang“, sagte er gegenüber Olive Oil Times. „Die Sommertemperaturen verschwanden und es ging direkt in den Winter über, mit Rekordtiefsttemperaturen und Niederschlägen im Mai und Juni. Die Erntezeit war nass mit kurzen Sonnenstrahlen.“
Tham sagte, die Gesamternte von Cape Schank habe das Dreifache des Vorjahres betragen. „Von unseren fünf Sorten verzeichnete Leccino die geringste Erntemenge und Picholine die höchste“, sagte er. „Die Fruchtqualität war durchweg erfreulich ausgezeichnet.“
„Die Öle waren weniger kräftig als im Vorjahr und spiegelten wahrscheinlich die hohen Niederschlagsmengen wider“, fügte Tham hinzu. „Glücklicherweise blieben die Öle ausgewogen und dürften den meisten Gaumen gefallen.“
Ebenfalls aus Victoria berichtete Cobram Estate, Australiens größter Olivenölproduzent, früher bekannt als Boundary Bend, laut dem Co-Geschäftsführer und Chef-Ölhersteller des Unternehmens, Leandro Ravetti, von „einer sehr guten Ernte, trotz der üblichen Herausforderungen“.

Biodiversität in den Olivenhainen von Cobram Estate (Foto: Cobram Estate)
„Die Olivenölqualität war ausgezeichnet, wobei ein historisch hoher Prozentsatz des produzierten Öls als Premium- oder Ultra-Premium-Olivenöl extra vergine eingestuft wurde“, sagte er.
„Wir haben 32 Prozent mehr Öl produziert als im letzten Jahr, trotz der ungewöhnlich kalten und kürzeren Vegetationsperiode, die zu einem unterdurchschnittlichen Ölgehalt in den Früchten in Verbindung mit einer geringeren Fruchtgröße als normal führte“, fügte Ravetti hinzu.
„Glücklicherweise waren die Wetterbedingungen während der Ernte viel günstiger als im letzten Jahr, ohne nennenswerte Regenmengen in den ersten sechs Wochen“, fuhr er fort. „Diese trockenere Periode in Kombination mit der Zuverlässigkeit der Erntemaschinen und der Leistung der Mitarbeiter ermöglichte es uns, die Arbeiten deutlich innerhalb des erwarten Zeitrahmens abzuschließen.“
Ravetti erklärte, dass der operative Erfolg ihrer Ernte auf eine gründliche Vorbereitung und Personalauswahl sowie auf den Bau ihrer neuen Mühle in Boort, Victoria, zurückzuführen sei.
Cobram wurde kürzlich zum zweiten Mal in Folge in die Liste der Nachhaltigkeitsführer der Australian Financial Review aufgenommen.
Ravetti erklärte, dass Cobram bei der letzten Ernte auf Nachhaltigkeit gesetzt habe: Weniger als 0,5 Prozent der Abfälle landeten auf der Deponie, und pro Liter produziertem Olivenöl wurden etwa vier Kilogramm Kohlendioxid eingespart.