Italiens Ferienhöfe erleben nach der Pandemie einen Aufschwung
Eine neue Studie hat ergeben, dass mehr als sieben von zehn Italienern planen, diesen Sommer einen Bauernhof in der Nähe zu besuchen.
Eine Umfrage von Noto Sondaggi und Coldiretti zeigt, dass 72 von 100 Italienern planen, diesen Sommer einen oder mehrere Bauernhöfe zu besuchen.
Bauernhöfe bieten die Möglichkeit, in malerischer Umgebung gemütlich zu speisen und traditionelle landwirtschaftliche Tätigkeiten sowie die Lebensmittelproduktion hautnah zu erleben.
Die immense Beliebtheit von Besuchen in diesen Agrotourismusbetrieben ist ebenfalls keine Überraschung.
Siehe auch: Tourismuspreise in Italien fördern Innovatoren der BrancheLaut der Untersuchung gab ein Drittel der Italiener an, sich gerne mit Agritourismus-Betrieben beschäftigen zu wollen. Etwas mehr als 20 Millionen Italiener sagten, sie würden unter den richtigen Bedingungen einen eigenen Agritourismus-Betrieb gründen.
Die Forscher vermuten zudem, dass die immense Beliebtheit von Agritourismusbetrieben auf das wachsende Interesse am Phänomen der „Bauern-Köche“ hindeutet, bei dem renommierte Köche sich für die Förderung lokaler traditioneller Spezialitäten einsetzen.
Abgesehen von Essen und Natur werden als weitere Gründe für Ferien auf dem Bauernhof das Bedürfnis nach Entspannung, die Vermeidung überfüllter Umgebungen sowie die Teilnahme an Outdoor-Sportarten und -Aktivitäten genannt.
Laut Coldiretti wuchs der Betrieb von Agritourismus-Restaurants im Jahr 2021 im Vergleich zu 2019 um zwei Prozent, trotz zeitweiliger Schließungen infolge der Covid-19-Pandemie.
Jüngste Untersuchungen des Italienischen Instituts für Dienstleistungen für den Agrar- und Lebensmittelmarkt (Ismea) ergaben, dass es in Italien mittlerweile 25.060 lizenzierte Bauernhöfe gibt.
Davon bieten 82 Prozent Übernachtungsmöglichkeiten an, während 62 Prozent über ein Restaurant verfügen. Fast ein Drittel der registrierten Agritourismusbetriebe organisiert zudem Verkostungen ihrer lokalen Produkte.
Laut Ismea sind die Agriturismi zu Botschaftern traditioneller regionaler Rezepte und Produkte wie natives Olivenöl extra und Wein geworden, die es den Besuchern ermöglichen, diese Produkte zu probieren und mehr über ihre Geschichte zu erfahren.
Unterstützung für Bauernhöfe kam in jüngster Zeit auch durch das italienische Oleotourismus-Gesetz, das darauf abzielt, neue touristische Möglichkeiten zu erschließen, ähnlich wie es frühere Gesetze für den italienischen Weinsektor erreicht haben.
Das steigende Interesse an der Gründung von Agritourismusbetrieben hat auch die sizilianische Parlamentarische Versammlung dazu veranlasst, ihre bürokratischen Verfahren zur Gründung solcher Betriebe zu überprüfen. Das erklärte Ziel der Versammlung ist es, Landwirten die Eröffnung von Restaurants, Verkostungsräumen und Beherbergungsbetrieben zu erleichtern.
Die Entscheidung dürfte bei den lokalen Landwirten auf Zustimmung stoßen, zumal Sizilien das beliebteste Urlaubsziel für Italiener im eigenen Land ist.
Einer der Treiber des Agrotourismus ist auch die hohe Zahl von Italienern, die während ihrer Ferien keine Auslandsreisen planen. Eine aktuelle Umfrage des TouringClub ergab, dass 73 Prozent der Befragten planen, ihren kommenden Sommerurlaub 2022 in Italien zu verbringen.
Coldiretti erklärte, dass zwei der Hauptgründe für den wachsenden Erfolg von Agritourismusbetrieben die Möglichkeit sind, Unterkünfte in letzter Minute zu buchen, sowie die Lage vieler dieser Betriebe in nicht-traditionellen Tourismusregionen, wodurch Besucher überfüllte Gebiete meiden können.
Auch das Italienische Olympische Komitee (CONI) hat die aktuellen Veränderungen in den italienischen Tourismuspräferenzen zur Kenntnis genommen: Seine süditalienische Zweigstelle in Kampanien gab kürzlich eine Partnerschaft mit Terranostra bekannt, um ein Netzwerk sportfreundlicher Agriturismi aufzubauen.
Laut lokalen Medienberichten haben 20 Agriturismi an speziellen CONI/Coldiretti-Workshops teilgenommen, um ihre sportbezogenen Angebote zu verfeinern, und für den Herbst sind weitere Workshops geplant.
Das Projekt ist Teil einer umfassenderen Initiative der beiden Organisationen zur Förderung der mediterranen Ernährung als entscheidenden Faktor für ein gesundes Leben.