Rumänien legt neue Regeln für die Einführung des Nutri-Score fest

Nach einem anfänglichen Verbot erklärte die rumänische Regierung, dass Nutri-Score-Kennzeichnungen auf einigen Produkten freiwillig angebracht werden dürfen.

Rumänische Verbraucher werden bald Nutri-Score-Nährwertkennzeichnungen auf der Vorderseite der Verpackung (FOPL) auf verpackten Lebensmitteln sehen, die landesweit im Einzelhandel verkauft werden.

Die rumänischen Behörden führten eine öffentliche Konsultation durch, um die Vorschriften für die Einführung von Nutri-Score zu präzisieren, und erklärten, dass die Einführung der FOPL Rumänien dabei helfen werde, sich an die Empfehlungen der Europäischen Kommission anzupassen.

Nutri-Score ist ein FOPL im Ampelsystem, das eine Kombination aus fünf aufeinander abgestimmten Farben und Buchstaben verwendet, um zu bewerten, wie gesund ein verpacktes Lebensmittel ist, basierend auf seinem Fett-, Zucker-, Salz- und Kaloriengehalt pro 100-Gramm- oder Milliliter-Portion. Das „Grüne A“ steht für die gesündeste Option, und das „Rote E“ kennzeichnet die am wenigsten gesunde.

Siehe auch: Neue Forschungsergebnisse entfachen erneut die Debatte über die Wirksamkeit von Nutri-Score

Nach den jüngsten Aktualisierungen des Nutri-Score-Algorithmus werden alle Olivenöle nun als „Hellgrün B“ statt als „Gelb C“ eingestuft.

Die Entscheidung der rumänischen Regierung folgt auf ein vorübergehendes Verbot, das die lokale Verbraucherschutzbehörde im vergangenen Jahr verhängt hatte.

Dieser neue Ansatz ermöglicht es den Herstellern, das Nutri-Score-Logo freiwillig auf ihren Produkten anzubringen. Einzelhändler sind jedoch verpflichtet, mit Nutri-Score gekennzeichnete Lebensmittel getrennt von anderen Produkten auszustellen.

Dem Logo muss ein QR-Code beigefügt sein, um den Verbrauchern detailliertere Nährwertangaben zum Produkt zu liefern. Die Nichtanbringung des Logos an den vorgeschriebenen Stellen führt zu erheblichen Geldstrafen.

Darüber hinaus wird das Nutri-Score-Label nicht auf Lebensmitteln mit Zertifizierungen für geschützte Ursprungsbezeichnungen (g.U.) oder geschützte geografische Angaben (g.g.A.) angewendet.

g und g.g

Produkte mit einer geschützten Ursprungsbezeichnung (g.U.) oder einer geschützten geografischen Angabe (g.g.A.) sind Agrar- oder Lebensmittel, deren Eigenschaften, Ruf und Eigenschaften eng mit ihrer geografischen Herkunft verbunden sind. GUA-Produkte beziehen sich in der Regel auf eine Teilregion, während GGA-Produkte größere Gebiete abdecken. Diese Bezeichnungen stellen sicher, dass Produkte wie natives Olivenöl extra nach traditionellen Methoden hergestellt werden und strengen Qualitätsstandards entsprechen.

Konkret heißt es in dem vom rumänischen Ministerpräsidenten Marcel Ciolacu unterzeichneten Erlass: „Die Bestimmungen dieses Beschlusses gelten nicht für traditionelle rumänische Produkte, Produkten aus lokaler Erzeug­ung oder Produkten mit geschützten geogra­fi­schen Angabe­en, Ursprungsbe­zeich­ungen oder garantiert­en tradi­tionellen Spe­zia­li­tä­ten.“

Laut Regierungsdokumenten fehlt vielen Verbrauchern das Wissen, um Nährwertangaben richtig zu interpretieren.

„Studien haben gezeigt, dass Nutri-Score-Kennzeichnungen das Kauf­ver­hal­ten be­ein­flussen können, was zu gesünderen Ent­schei­dungen und einer pos­ti­ven lang­fris­tigen Aus­wir­kung auf die öf­fentliche Gesundheit führt“, stellten Regierungsvertreter in den Dokumenten zur öffentlichen Konsultation fest.

Die Regierung hob zudem das Potenzial der Einführung von Nutri-Score hervor, um Probleme wie Fettleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen anzugehen.

Nach Angaben der Regierung sollen Lebensmittelhersteller dazu angeregt werden, die Nährwertprofile ihrer Produkte zu verbessern, um bessere Nutri-Score-Bewertungen zu erzielen.

Die neuen Vorschriften treten 60 Tage nach Veröffentlichung im amtlichen Gesetzblatt in Kraft.

Derzeit wird Nutri-Score in Frankreich, Belgien, Deutschland, Luxemburg, Spanien und den Niederlanden verwendet. Auch die Schweiz hat das ursprünglich aus Frankreich stammende Logo übernommen.

Das FOPL ist jedoch recht umstritten. Mehrere Länder haben sich gemeinsam dafür eingesetzt, seine breite Einführung in der Europäischen Union zu verhindern, und einige der ersten Anwender haben ihren Kurs geändert.

Der französische Lebensmittelkonzern Danone gab kürzlich bekannt, dass er das Nutri-Score-Label von vielen seiner Produkte entfernen werde.

Laut Danone benachteiligt die jüngste Überarbeitung des Nutri-Score-Algorithmus seine trinkbaren Milch- und pflanzlichen Produkte in unfairer Weise.

Während ihrer letzten Amtszeit deutete die Europäische Kommission an, dass Nutri-Score als europaweites FOPL ausgewählt werden könnte. Intensive Debatten veranlassten Brüssel jedoch, den Prozess vorübergehend auszusetzen.

Beobachter haben angemerkt, dass sich die Aussichten mit der neuen Kommission ändern könnten, die ihre Amtszeit offiziell am 1. Dezember antritt.

Christophe Hansen, der neue EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung, wird voraussichtlich in Kürze die neue Agrarstrategie der EU vorstellen. Einige gehen davon aus, dass der Plan einen Vorschlag für ein EU-weites FOPL enthalten wird.