Tunesien fordert Europa auf, die zollfreien Einfuhren zu erhöhen
Der Leiter des tunesischen Nationalen Olivenölrats hat Brüssel offiziell darum gebeten, die bestehenden zollfreien Einfuhrkontingente für Olivenöl auf 100.000 Tonnen pro Jahr fast zu verdoppeln.
Der Geschäftsführer des tunesischen Nationalen Olivenölrats (ONH) hat die Europäische Union gebeten, die zollfreie Einfuhrquote für Olivenöl aus dem nordafrikanischen Land auf 100.000 Tonnen zu erhöhen.
Derzeit können EU-Importeure bis zu 56.700 Tonnen zollfrei in den 27-Mitglieder-Handelsblock einführen, doch Chokri Bayoudh argumentiert, dass dies nicht ausreiche, und erklärte, es sei an der Zeit, das 20 Jahre alte Abkommen zu aktualisieren.
Siehe auch: HandelsnachrichtenLokale Behörden haben in den letzten Jahren bereits versucht, das Abkommen zu ändern, jedoch ohne Erfolg. Tunesien produzierte laut Schätzungen des Internationalen Olivenrats während der Ernte 2019 300.000 Tonnen Olivenöl – die dritthöchste Produktionsmenge seit Beginn der Aufzeichnungen.
Trotz der aktuellen Handelsbeschränkungen mit dem weltweit größten Markt für Olivenöl und der durch die Covid-19-Pandemie verursachten Turbulenzen verzeichneten Tunesiens Olivenölexporte im Jahr 2020 ein beträchtliches Wachstum.
Bayoudh sagte, dass die Exporte in den letzten sieben Monaten 232.000 Tonnen im Wert von 1,4 Milliarden TND (490 Millionen US-Dollar) überschritten hätten. Er fügte hinzu, dass das Handelsvolumen während des Höhepunkts der Pandemie in Europa sogar noch stärker als zuvor gewachsen sei und 45.000 Tonnen pro Monat erreicht habe.
Bayoudh führte diesen Anstieg auf die gute Qualität des Olivenöls zurück, das die Tunesier 2019 produziert hatten, und verwies auf die zahlreichen internationalen Auszeichnungen, die die Produzenten des Landes erhalten haben.
Auch die Nachfrage aus den Vereinigten Staaten, dem drittgrößten Olivenölverbraucher der Welt, hat dazu beigetragen, die Exporte anzukurbeln. Nach Angaben des US-Handelsministeriums liefert Tunesien mittlerweile 15 Prozent des Olivenöls in die USA.
Zwar liegt noch keine offizielle Antwort aus Brüssel vor, doch gibt es kaum Anzeichen dafür, dass die EU von ihrer derzeitigen Position abweichen wird. Vor einigen Monaten, kurz vor dem Ausbruch von Covid-19 in Europa, hatten Beamte einen ähnlichen Antrag abgelehnt.
Auch in den größten Olivenöl produzierenden Ländern Europas kam heftiger Protest von Erzeugern und Produzenten, die Schutz vor den anhaltend niedrigen Olivenölpreisen suchen.
Da diese Bedenken für viele Landwirtschaftsminister im Vordergrund stehen, dürfte ein Anstieg billiger tunesischer Importe im gesamten Handelsblock auf starken Widerstand stoßen.