Wissenschaftler entwickeln eine „Planetary Health Diet“, um dem Klimawandel entgegenzuwirken

Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler hat eine globale Ernährungsweise entwickelt, die darauf abzielt, den Klimawandel einzudämmen und gleichzeitig die menschliche Gesundheit zu fördern. Sie ähnelt stark der Mittelmeerdiät.

Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler hat Leitlinien für eine Ernährung herausgegeben, die sowohl ökologisch nachhaltig sein als auch die Gesundheit fördern soll.

Eine radikale Umgestaltung des globalen Ernährungssystems ist dringend erforderlich. Ohne Maßnahmen läuft die Welt Gefahr, die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und das Pariser Abkommen nicht zu erreichen. – Dr. Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

Die EAT-Lancet-Kommission für Ernährung, Planet und Gesundheit, bestehend aus 37 Wissenschaftlern aus 16 Ländern, wurde ins Leben gerufen, um einen wissenschaftlichen Konsens über eine für die menschliche Gesundheit förderliche Ernährung zu erzielen, wobei das Ziel darin besteht, die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung zu erreichen und im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen zu stehen.

Siehe auch: Klimawandel

Der Bericht der Kommission mit dem Titel „Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems“ wurde am 16. Januar in der britischen medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht. Am nächsten Tag folgte die offizielle Vorstellung in Oslo, Norwegen, auf die eine Reihe weiterer Veranstaltungen in Städten auf der ganzen Welt folgen wird.

Die internationale Kommission untersuchte die Rolle von Ernährung und Ernährungssystemen beim Klimawandel und wie eine wachsende Weltbevölkerung ernährt werden kann, ohne dabei den Schaden für den Planeten zu vergrößern. Da es keinen globalen Konsens darüber gab, wie eine gesunde und ökologisch nachhaltige Ernährung aussehen könnte, ist dies die erste wissenschaftlich fundierte Ernährungsempfehlung, die versucht, ein weltweit anwendbares Modell vorzuschlagen.

Aufgeteilt in fünf Arbeitsgruppen untersuchten die Mitglieder der Kommission bei der Erstellung des Berichts fünf Hauptthemen. Dabei wurden eingehend geprüft, was eine gesunde Ernährung ausmacht, welche Parameter ein nachhaltiges Ernährungssystem auszeichnen, welche Trends die Ernährungsgewohnheiten weltweit prägen, welche potenziellen Auswirkungen eine ökologisch nachhaltige Ernährung auf die Gesundheit hat und wie politische Strategien und Maßnahmen zur Erreichung der Ziele für Gesundheit und Nachhaltigkeit gestaltet werden sollten.

Auf der Grundlage einer Auswertung bestehender wissenschaftlicher Erkenntnisse darüber, wie sich Ernährungsgewohnheiten auf die Umwelt auswirken und welche Folgen die Tierhaltung für den Klimawandel hat, spricht sich der Bericht für eine Umstellung auf eine überwiegend pflanzliche Ernährung aus. Er empfiehlt zudem eine Reduzierung der Lebensmittelverschwendung um mindestens 50 Prozent sowie Verbesserungen bei den Methoden der Lebensmittelproduktion.

Die vorgeschlagenen Ernährungsrichtlinien empfehlen eine Ernährung, die größtenteils aus pflanzlichen Lebensmitteln besteht und nur geringe Mengen an Fleisch und Milchprodukten enthält, ähnlich der mediterranen Ernährung. Konkret empfiehlt der Bericht, den Verzehr von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und Nüssen mehr als zu verdoppeln und den Verzehr von rotem Fleisch, raffinierten Getreideprodukten und zuckerhaltigen Lebensmitteln um mehr als 50 Prozent zu reduzieren.

Die Kommission hat zudem konkrete wissenschaftliche Zielvorgaben erarbeitet, die die Menge bestimmter Lebensmittel festlegen, die täglich für eine optimale Gesundheit verzehrt werden sollten. Was die Lebensmittelproduktion betrifft, beziehen sich die empfohlenen Ziele auf Faktoren wie den Land- und Wasserverbrauch sowie die Begrenzung von Treibhausgasemissionen und Phosphorbelastung.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die weltweite Einführung dieser „Planetary Health“-Ernährung die weitere Verschlechterung der Umwelt begrenzen und jährlich 11 Millionen Menschen vor dem Tod aufgrund ungesunder Ernährungsgewohnheiten bewahren würde.

„Die globale Nahrungsmittelproduktion bedroht die Klimastabilität und die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme“, sagte Dr. Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und einer der Autoren des Berichts.

„Sie ist der größte Einzeltreiber für Umweltzerstörung und die Überschreitung planetarischer Grenzen“, fügte er hinzu. „Insgesamt ist das Ergebnis katastrophal. Eine radikale Umgestaltung des globalen Ernährungssystems ist dringend erforderlich. Ohne Maßnahmen läuft die Welt Gefahr, die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung und das Pariser Abkommen nicht zu erreichen.“